Das Spiel mit der Psyche – Coaching

Das Wort Coach stammt ursprünglich aus dem Englischen und bedeutet Pferde-Kutsche. Die Kutsche ist ein begleitendes Fortbewegungsmittel.  Unsere Zeit bedient sich diesem Wort im übertragenen Sinn. Ein Coach ist nicht nur ein Trainer, sondern auch ein Begleiter und Motivator. Das Ziel bestimmt jedoch der sogenannte Coachee (Kunde), der Coach wiederum ist sein Wegbegleiter.

Wurden Coachs noch bis vor kurzem überwiegend zur Schulung, bzw. Begleitung von Führungskräften eingesetzt, kann sich heute schon jeder seinen privat Coach anmieten. Coach ist ein sehr breit gefächerter Begriff, und dahinter kann sich vom Führungstrainer über den Sporttrainer bis hin zur Lebensberatung alles mögliche mehr finden.

Im Prinzip keine schlechte Sache so ein Coach, auffällig ist hier lediglich, dass sie bereits wie Pilze aus dem Boden schießen. Und zwar für jegliche Art und Weise in Form von Lebensverbesserung, oder um sich selbst besser kennen zu lernen, besser zu ernähren, besser zu leben. Und sie werden in Anspruch genommen, die Coachs. Warum auch nicht, schaden kann es im Prinzip nicht, sich zu verbessern oder zu verändern, um seiner selbst Willen. Und hier beginnt bereits die Gradwanderung.

Was dabei irritiert, ist die Tatsache, dass je nach dem welches Training man nun für sich gewählt hat, es den Anstrich von „Persönlichkeitsveränderung“ hat. Wie bereits erwähnt, es gibt unterschiedliche Coachings. Allesamt sind jedoch dahingehend ausgerichtet, einem Coachee dabei zu helfen, sich zu verbessern. Im Prinzip nun auch nicht das Schlechteste.

Trotzdem. Die betreffenden Personen, die sich coachen lassen, entfernen sich durch ihre Verbesserungen immer auch ein Stück von sich selbst. Sie bekommen gelehrt, sich besser zu artikulieren, sich besser zu bewegen, bis hin ihre eigene Körpersprache abzutrainieren und eine neue anzutrainieren, so lange, bis es passt, dass von der Person selbst am Ende vielleicht ein perfekteres nach Außen hin erscheint, aber es ist eben nur ein Schein, und hat mit der eigentlichen, natürlichen Person dahinter nichts mehr zu tun. Es wirkt nur noch, und zwar so wie es auf seine Umwelt wirken soll.

Muss das sein? Ganz offensichtlich ja, denn sehr viele Menschen nehmen sich einen Coach. Besonders dann, wenn sie in der Öffentlichkeit auftreten müssen oder wollen.  „Du kannst das“, bekommen sie dann zu hören, man kann alles lernen. Kann man vielleicht, ob man dies muss, steht auf einem anderen Blatt. Es kann der  besseren Aussprache dienlich sein. Wenn man oft vor Publikum sprechen muss, wie zum Beispiel Schauspieler, hat es durchaus seinen Sinn.

Wenn es jedoch darum geht, sein Gegenüber zum Beispiel im Geschäftsleben besser zu manipulieren, indem man gelehrt bekommt, wie man am besten einen anderen Menschen von etwas überzeugen soll, dass er etwas benötigt, was er im Grunde genommen gar nicht braucht, wird es grenzwertig. Allen voran bedient sich hier die Werbeindustrie, aber auch Versicherungsvertreter (und viele Berufsspaten mehr) werden in diesem Zusammenhang gecoacht.

In der Vergangenheit wurden Coachings ab Anfang der 1990iger Jahre für Firmen angeboten. Es war eine wahre Welle, die da von den USA nach Europa rübergeschwappt kam. Nicht selten befand sich hinter den Anbietern die Sekte Scientology. Scientology betreibt reinste Hirnwäsche. Diese Praktiken, nur in einem anderen Stil, aber dasselbe Ziel im Auge, nämlich einen Menschen zu manipulieren und dies obendrein noch unter dem Deckmäntelchen dessen, das behauptet wird, derjenige täte es für sich selbst und natürlich nur zu seinem Besten. Bei genauerem Betrachten dienen viele solcher Coachings längst nicht mehr dazu, sich selbst tatsächlich in seinem Job zu verbessern  oder sich im persönlichem, wie zum Beispiel der Lebensberatung, aus einer Zwickmühle heraus zu befreien,  sondern gleichen in anderen Unterrichtsstunden mehr einer Hirnwäsche, die Menschen zu funktionsfähigeren Maschinen macht. Wiederum unter dem Aspekt, dadurch in seinem Beruf besser und schneller weiter zu kommen.

Man merkt es solchen Personen auch an, ob sie sich haben coachen lassen, denn sie gleichen in ihren Aussagen und in ihrer Rhetorik wie ein Ei dem anderen. Streckenweise kalt und ohne menschliche Regung, denn diese ist gerade, wenn man in der Öffentlichkeit steht, eine Gefahr: Nein hier geht es nicht mehr um  Scientologen, sondern um Menschen, die wir auch vom Fernsehen her kennen, ganz bekannte Gesichter; man könnte über Körpersprache seine Schwächen verraten. Und genau dies heißt es, sich selbst abzutrainieren und so zu funktionieren, als wäre man noch immer ein selbstständig denkendes, menschliches Wesen. Von außen betrachtet Mensch, schaut man jedoch genauer hin, bemerkt man das Antrainierte und das Unechte dieser Personen.

Es ist eine erschreckende Entwicklung, was vor einigen Jahren noch den Managern mehr oder weniger vorbehalten war, wird nun mehr und mehr überall angeboten. Für jedermann. Immer vorausgesetzt, man kann es sich auch leisten, erinnert schon ein bißchen an etwas Sektenhaftes. Und es wird in Anspruch genommen, mehr und immer mehr. So passen sich Menschen einer technologisierten Welt an, ohne zu bemerken, wie sie sich immer weiter von der eigenen Natur entfernen. Sie lassen sich freiwillig zu funktionsfähigen Robotern ausbilden.

Wer dran bleiben will, muss ein solches Coaching mitmachen, denn unter Maschinen fällt man als Mensch zu sehr auf. Wer weiterkommen will, lässt sich coachen, in seinem eigenen(?) Interesse. Wer ein Coaching nutzt, um seine Lebensqualität zu verbessern, nur zu! Aber wer ein solches Coaching aufgedrückt bekommt oder es dazu benutzt, um in einer Gesellschaft „anzukommen“, weil diese genau auf diese Manipulation reagiert, dann wirkt dies auf einen gesunden Menschenverstand doch mehr als nur suspekt.

Eine Gradwanderung hat begonnen, von der es abzuwarten bleibt, wie deren Entwicklung ausgehen wird…

Vielen Dank für Ihr Interesse

Ihre

Petra Hanse

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Gesundheitsberaterin mit sozialem Engagement
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