Über die Bereitschaft zu lernen

Oft wird behauptet, die Menschheit würde aus ihren Fehlern nicht lernen wollen. Wenn man sich einmal umschaut, dann kann man diesen Satz so lapidar gar nicht stehenlassen, denn die Menschheit befindet sich in einem ständigen Lernprozess. Gerade das deutsche Volk, aufgrund der fürchterlichen Vergangenheit, ist noch immer im Lernprozess und somit auch in der Aufarbeitung des Geschehenen.

Nicht immer wird es sichtbar, doch wenn man genauer hinschaut, kann man es ganz deutlich erkennen.

Lernprozesse beginnen schleichend, und das ist auch gut so, denn wer zwei Schritte auf einmal nehmen will, der wird fallen. So bleibt uns nichts anderes übrig, als einen Schritt vor den Nächsten zu setzen.

Sicherlich gibt es die sogenannten Gestrigen, warum Menschen so denken und meist auch noch so handeln, liegt nicht etwa daran, dass sie nicht lernen wollen, sondern liegt in der Natur des Menschen selbst. Etwas dazulernen ist nämlich nicht die Frage, mehr ist zu hinterfragen, warum so manch ein Gedankengang, so manch eine Erkenntnis nur schwer umgesetzt werden kann, bzw. schwer in der Umsetzung erfolgt.

Gerade den Deutschen wird nachgesagt, dass sie das Volk der Dichter und Denker sind, und daran hat sich im Grunde genommen auch nicht viel geändert. Es wird viel hinterfragt, es wird fast alles wissenschaftlich versucht zu dokumentieren, manchmal jedoch zu früh zementiert. Denn in dem Moment, wo man etwas zementiert, blockiert man den Fluss der Weiterentwicklung.

Wissen ist Macht, heißt es. Wie kommt es aber dann, dass oftmals Wissen nicht umgesetzt wird? Weil Wissen nichts mit Verhalten zu tun hat. Etwas zu wissen, heißt also noch lange nicht, dass dieses Wissen auch umgesetzt wird.

Beispiele gibt es hierfür genügend, nimmt man sich nur einmal das Wissen über die Gefahren der Atomindustrie oder auch die der Lebensmittelindustrie, die Gifte, die überall um uns herum sind. Jeder weiß es, weil die meisten Menschen darüber aufgeklärt sind, aber dieses Wissen umzusetzen, die Gefahrenquellen zu beheben, fällt den meisten Menschen sehr schwer, weil sich viel zu viele am Nächsten messen, den Nächsten zum „Vorbild“ nehmen, anstatt sich einfach zu sagen: Ich mache das jetzt anders.

Wissen ist Macht. Wissen alleine reicht nicht. Viele Informationen werden ungefiltert verbreitet, vieles an Wissen wird unglaubwürdig für denjenigen, der noch nicht in eine andere Richtung begonnen hat zu denken, andere Sichtweisen in sein Denken mit einbezogen hat. Nicht, dass Menschen auf der Stelle treten würden, manche Menschen benötigen einfach länger, sich mit einer Information auseinanderzusetzen.

Wer zu sehr gräbt und hinterfragt, kommt zwangsläufig auf Wissen, was für einen anderen Menschen noch nicht ersichtlich ist. Deswegen ist es auch nicht ratsam, Wissen ungefiltert zu verbreiten. Wissen ungefiltert weiter zu verbreiten, kann sich wie eine Kernspaltung entladen. Kann mehr zur Zerstörung beitragen als aufklären, kann entzweien, anstatt zu vereinen.

Nicht alles zu wissen bedeutet auch nicht zwangsläufig, dass ein Mensch dumm ist. Menschen, die sich nichts sagen lassen wollen, sind auch nicht gleich engstirnig, sie sind einfach noch nicht so weit, verharren noch in ihrer eigenen, vorgefertigten Meinung, die immer wieder durch Fehlinformationen untermauert wird. Das kann man niemandem zum Vorwurf machen. Man kann es der Menschheit nicht zum Vorwurf machen, dass sie zwar in mancherlei Hinsicht weiß, was schief läuft, aber die Umsetzung noch nicht tätigt. Zu sehr verharren, zu viele noch in dem Irrglauben der Sicherheit, einer Sicherheit, die andere ihnen eingetrichtert haben, noch immer versuchen einzutrichtern.

Die Bereitschaft zu lernen, ist der erste Schritt in die Richtung der Veränderungen. Die einen, die an alten Mustern kleben, und die anderen, die die Ungerechtigkeiten erkannt haben, bis sich diese Wege kreuzen werden, wird wohl noch so einiges an Wasser den Bach hinunterlaufen. Das liegt daran, dass es zwar nur eine Wahrheit gibt, aber viele verschiedene Wege dorthin. Und jede Meinung birgt in sich ein Fünkchen dieser großen Erkenntnis, und erst im Gesamten wird sie eines Tages auferstehen wie ein Phönix aus der Asche, und die Welt wird in Frieden leben, ohne Druck, ohne Gemeinheiten, ohne Diktat.

Noch herrschen Neid, Missgunst und Gier. Noch herrscht, das „sich ein Vorbildnehmen“, anstelle von „selber umsetzen“ vor. Solange der Mensch für sich selbst nicht bereit ist, dahingehend Veränderungen in seinem kleinen Rahmen umzusetzen, wird der Weg zur Veränderung in der gesamten Welt vorerst eine Utopie bleiben. Und so lange lässt sich der Großteil der Menschheit lieber leiten, als selbst zu handeln. Die Wenigen, welche es erkannt haben, werden jedoch vermutlich noch lange Zeit als Spinner ihr Dasein fristen müssen. Wer einen Menschen aufgrund seines Wissensstandes als Spinner bezeichnet, sollte sich jedoch einmal ganz unvoreingenommen ein eigenes Bild machen, und dazugehört die nötige Weitsichtigkeit aus seiner eigenen Komfortzone herauszutreten und sich auf die Suche nach der Wahrheit hinter der Wahrheit zu begeben.

Jeder Weg und erscheint er noch so lang, beginnt mit dem ersten Schritt …

Vielen Dank für Ihr Interesse

Ihre

Petra Hanse

(Artikel 05.05.2011)

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Gesundheitsberaterin mit sozialem Engagement
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