Welcome To The Machine

Unsere Welt gleicht mehr und mehr einer Maschine. Sie stampft vor sich hin, zischt und macht seltsame, unnatürliche Geräusche. Das Piepen an den Scannerkassen, das Summen der Rolltreppen, die Motoren der Autos, der Fluglärm über unseren Köpfen ist bereits Alltag für den Menschen, natürlich ist hier nichts mehr.

Viele große und auch kleine Rädchen bewegen sich nun in dieser großen Maschine,  manche kann man von außen sehen, andere wiederum befinden sich im Innern dieser großen Unnatürlichkeit. Es ist der unnatürliche Kreislauf, den sich die Menschheit selbst erschaffen hat und unter die sie ächzt und stöhnt.

Im Innern läuft alles vollautomatisch, alles ist in Gang und funktionsbereit. Die Maschine läuft hier, fernab der eigentlichen Welt, nimmt diese gar nicht mehr wahr, denn sie ist jenseits des Lebens. Vollautomatisiert.

Durch ein Fließband werden der Maschine neue funktionstüchtige Menschen eingespeist. Diese Menschen lassen sich auch problemlos hineinmanövrieren, ohne sich einen Gedanken zu machen, was sie dann erwarten wird. „Das Leben“ wird ihnen versichert, aber in Wahrheit kommen sie an einen Ort, der ihnen von Anfang an bestimmt, wie dieses Leben auszusehen hat. Anpassen, nicht hinterfragen, denn wer Leistung bringt und funktioniert, dem es somit gutgeht, der stellt keine Fragen. In der Maschine angekommen, geht wie bereits erwähnt alles seinen Gang, den Gang der Maschine, gesteuert von Anderen, die sich einbilden, die Befugnis zu haben, bestimmte Knöpfe zu drücken und dies nach belieben.

Wer sich verletzt, wird versorgt, vorausgesetzt er hat dafür bezahlt oder zahlt noch dafür. Ist dieser Mensch so stark verletzt, dass er nicht mehr eingebunden werden kann, also funktionsuntüchtig wird, sind andere Stellen da, die ihn auffangen. Und hier sind wiederum Menschen eingeschaltet, die entweder diesem Funktionsuntüchtigen unterstützen, was meist in den Familien geschieht oder aber in Ruheabteilen, die es ebenfalls in dieser Maschine gibt, wenn man zahlen kann, wer hier zahlt, ist gleichgültig, die Hauptsache ist, dass gezahlt wird. Denn diese Zahlung ist sozusagen das Öl, das Schmierfett, welches diese Maschine am Leben erhält, falls man hier von Leben sprechen kann, denn es ist durch ein paar Wenige gesteuert.

Es gibt noch einen anderen Ausgang aus dieser Maschine, ebenfalls ein Fließband. Hier  befindet sich das nicht mehr zu gebrauchende Abfallprodukt. Menschen, die so krank sind, keine Angehörigen mehr haben, die helfen könnten, bzw. das nötige „Öl“ nicht haben, Menschen, die alt sind, die aufgrund eines neuen maschinellen Eingriffs ihre Funktion abgenommen bekommen, die arbeitslos werden, weil sie ersetzt werden. Und in einer Maschine wird nur ersetzt, was die Maschine günstig am Laufen hält, alles andere wird ausgespuckt und kommt auf den Müll.

An einem anderen Eingang führen Laufbänder beladen mit Nahrung direkt zur Maschine, um diejenigen, welche darin ihrer Bestimmung nachkommen zu sättigen. Auf anderen Laufbändern sieht man die Elektronik, welche für die nötige Zerstreuung sorgt, ebenfalls für die Maschine vorbehalten. Damit die Einbezogenen sich in ihrer Freizeit berieseln lassen können, abgelenkt werden, Zerstreuung finden mit dem Hintergedanken, keine Fragen zu stellen, statt. Manche stellen Fragen, hinterfragen, geben aber meist wieder auf, weil sie keine Antworten finden, oder weil sie einfach keine bekommen. Und sie haben Angst um ihre eigene Existenz und nehmen es hin, dass andere ausgespuckt werden. Dann lieber den Mund halten und weitermachen – für was auch immer.

Außerhalb dieser Maschine sieht man Felder, Wälder, den Himmel, die Sonne. Aber selbst diese werden mit einbezogen, denn dies ist nützlich, um die Maschine am Laufen zu halten. Menschen, die sich in der Maschine befinden, sehen die blühenden Felder, aber sie haben keine Chance hin zu kommen, nicht zuletzt, weil ihre Sinne durch Berieselungen vernebelt sind, oder verklebt durch das Öl. Und so nehmen sie diese weder wahr noch fühlen sie sich verantwortlich, etwas dafür zu tun, unsere Natur zu erhalten.

Wieder andere sind bemüht etwas zu bewegen, aber diese Hilfe wird stark beschnitten, denn wer nicht mehr nutzt, bekommt keine ausreichende Hilfe, das wäre der Maschine nicht dienlich, würde das Wachstum, welches angestrebt wird, beeinträchtigen. Und alles, was nicht integriert werden kann, bleibt außen vor oder fliegt auf den Müll. Unbrauchbarer Abfall eben, egal ob diese Rädchen einst gut funktionierten oder nicht. Um sie endgültig auf den Müll zu befördern, nimmt man ihnen noch das letzte „Ölkännchen“ aus der Hand und überlässt sie ihrem Schicksal.

Die Maschine stampft weiter vor sich hin, und weil sie auf Wachstum ausgerichtet ist, also nicht auf Leben, sondern pur auf Wachstum, spuckt sie immer mehr Unbrauchbares aus. Hier interessiert es nicht, wen es trifft, es kann jeden treffen. Und genau dies ist der Ansporn derer, sich weiterhin ausbeuten zu lassen, für eine Illusion. Denn jeder kann nur satt werden, jeder kann nur ein Auto fahren, auch wenn er zehn in der Garage stehen hat, aber das ist gewollt, das ist Wachstum. Das Eigentliche wird in der maschinellen Umgebung aber vergessen: Es gibt nur ein Wachstum. Dieses eine Wachstum nennt sich Natur, Wachstum ist naturgegeben, es sind die Felder, es sind die Bäume, es ist unser Lebensraum außerhalb dieser Maschine. Die Natur lässt sich nämlich in keine Maschine pressen, der Natur ist es egal, ob da ein Mensch ein Ölkännchen in der Hand hält, um sich satt essen zu können, die Natur stellt alles bereit, aber durch die Maschine wird die Natur ausgebeutet, der Mensch maßt sich an, durch seine Scheinwelt der Maschine, durch seine Illusionen, die immer weiter ausgebaut werden, das Leben, die Natur bestimmen zu können.

Der Mensch weiß, dass er das nicht kann, aber er vertraut dem falschen Weltbild, welches ihm von Geburt an vorgaukelt: So sei das Leben. Es wird ihm auch vorgegaukelt, dass das Abfallprodukt so sein muss, und er es mildern kann, indem er ein bisschen von seinem Öl abgibt, denn es sind Menschen, die hier sonst verhungern würden … und sie glauben es und geben, wenn auch eher widerwillig, etwas ab.

Die Maschine ist nicht Leben, das Leben spielt sich ganz woanders ab.

Aber es wird munter weiter aufs Fließband gelegt, von denjenigen, welche die  Maschine mit am Laufen halten und ein gutes Leben haben und diejenigen, welche auf dem Abfall gelandet sind ebenso. Manchmal werden die Aussortierten noch mit einbezogen, immer dann, wenn einer, der meint, etwas bestimmen zu dürfen – wer gute Ideen zum Wachstum hat, der kann hier noch etwas werden.  Hier kommt die Wiederverwertung zum Einsatz und was bei Material funktioniert, funktioniert auch bei Menschen, denn der Mensch ist nichts anderes als ein Schräubchen im großen Getriebe der immer schneller werdenden Maschine, in welcher sie sich bewegen. Genügend Aussortiertes kann  man gut dafür verwenden, benötigt wenig Öl und wird dem Umfeld aber auch sich selbst so dargestellt, dass es jetzt wieder „dazugehört“. Egoisten und Blinde, die sich fügen und nur das tun, was die Maschine von ihnen verlangt: zu funktionieren.

Vielen Dank für Ihr Interesse

Ihre

Petra Hanse (Artikel verfasst am: 28.04.2011)

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Gesundheitsberaterin mit sozialem Engagement
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One Response to Welcome To The Machine

  1. Edda Gregg says:

    Genialer Bericht – ausgesprochen informierend – hab den sofort mal gespeichert. Ich bin exakt dergleichen Auffassung wie du in deinem Abschnitt darlegst.

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