Der Mai ist gekommen…

Nun hat er begonnen – der „Wonnemonat“ Mai, mit vielen Forderungen nach menschenwürdigen Arbeitsbedingungen, gerechten Löhnen und sozialer Gerechtigkeit.
Auch die Bundesarbeitsministerin kann frohlocken, wird doch die Zahl der Arbeitslosen aller Voraussicht nach noch unter die 3 – Millionengrenze sinken und es so viele Beschäftigte wie seit 20 Jahren nicht mehr geben. Schön, solche Erfolge erzielt und verkünden zu können ?

Arbeit aber hatte zu allen Zeiten zwei Gesichter: Sie kann Menschen versklaven, an Leib und Seele krank machen und letztendlich zerstören; sie kann aber auch Zufriedenheit und Glück fördern und stärken. Dies insbesondere, wenn die Arbeitenden einen angemessenen Lohn erhalten, wenn Produkte und Ergebnisse dieser Arbeit zum Wohl Aller beitragen – den Arbeitenden ebenso wie den Menschen, die diese Arbeit gewidmet ist.

Im beginnenden Monat dieses Jahres ist –wie schon lange- hiervon allerdings fast nichts mehr übrig. Die Statistiken der Behörde, die grade noch die (angeblich) geringe Zahl der Arbeitslosen bekanntgibt, nennt im gleichen Atemzug über vier Millionen Menschen, die von HARTZ IV leben müssen – und damit nach Definition des Gesetzes arbeitsfähig sind, aber keine Arbeit haben – soviel zu den „offiziellen“ Arbeitslosenzahlen. Dazu 1,7 Millionen Kinder, die von den Folgen betroffen sind. Von Zufriedenheit und Glück durch die Arbeit können diese Menschen träumen – sofern ihre Lebensrealität noch Träume kennt. Langzeitarbeitslose heißen sie im Amtsdeutsch, befeuert durch Medien und manche Politiker setzen sich andere, unschöne Bezeichnungen in den Köpfen fest. In der grade erfolgsverwöhnten Arbeitswelt werden sie nicht mehr gebraucht – abgeschrieben. Ausgesetzt manchen Behördenwahnsinns, gezwungen in sinnlose „Beschäftigungen“ und einem Kampf gegen die Bürokratie – selbst im 8. Jahr nach Einführung der menschlichen Katastrophe HARTZ IV nimmt die hohe Zahl der Klagen und Widersprüche gegen Leistungsbescheide der Jobcenter nicht ab. Wer jetzt meint, die Leistungsbezieher hätten ja viel Zeit zum Klagen – über 50% nur der Klagen sind lt. Urteilen der Gerichte berechtigt, ebenso die Widersprüche.
Wie viele Menschen sich nicht wehren, weil sie das komplizierte Recht nicht kennen, ist nicht bekannt. „Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen“ – so radikal schrieb es der Apostel Paulus einst in einem seiner Briefe. Eine Meinung, die in Öffentlichkeit und Politik zunehmend an Bedeutung gewinnt – wobei das Wort „will“ entweder geflissentlich übersehen oder jedem, der in diesem System gefangen ist, grundsätzlich unterstellt wird, dass eben nicht will.

Der Mensch hat mit der Ära HARTZ IV verloren – er darf nicht mehr Mensch sein, sondern wird bewertet – als Ware, nach seinem Nutzen für das Bruttosozialprodukt, ob er funktioniert. Und er funktioniert am besten, wenn er Angst hat – auch und vielleicht grade Angst davor, selbst in das System HARTZ IV zu rutschen. Damit er diese Angst behält, braucht es HARTZ IV – und eine von Medien geschürte Neiddebatte, die den Geringverdienern dieser Nation vorgaukelt, dass sie die Faulen und Dummen, die sich auf ihre Kosten einen schönen Tag machen, finanzieren. Neiddenken lenkt ab – vom eigenen Denken, dass dann andere in genau gewünschte Bahnen lenken. HARTZ IV kann aber noch mehr: Es führt zu Niedriglöhnen, und, verbunden mit der Angst, dazu jede Arbeit anzunehmen – egal zu welchem Preis.

Und natürlich gibt andere, die davon profitieren – und die Kluft zwischen Arm und Reich wird mit jeder Minute dieses Systems größer. „Weh dem, der sein Haus mit Sünden baut und seine Gemächer mit Unrecht, der seinen Nächsten umsonst arbeiten lässt und gibt ihm seinen Lohn nicht.“ Im Jahr 2012 wären nicht nur die „Volksvertreter“ sondern alle wahrscheinlich gut beraten, in der Zeit des Frühlings, des Neugestaltens, über die Worte des Propheten Jeremia nachzudenken – das vielbemühte „Volk“ könnte sonst vielleicht doch noch zum Denken finden – mit Folgen für die „Täter“.

von Gastautor

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Gesundheitsberaterin mit sozialem Engagement
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